IMPRESSUM / MATERIAL HfM
Sogkraft, in Ruhe gereift

Er sei, ausgelöst durch seine Krankheit, sagt Chris Beier, nun eher um die "kleine Form" bemüht und "nicht um die ausladende Geste". Und diese kleine Form macht den Nürnberger Jazz-Pianisten und Komponisten (54) jetzt ganz groß. "Aeolian Green" (Act Music), dreimal innerhalb von zwei Jahren komplett neu eingespielt, bis Beier mit dem Ergebnis zufrieden war, punktiert Gefühlsnerven gleich reihenweise. Eine Platte, die förmlich implodiert.
Ein molliges und warmtönendes Universum ertastet sich der Neo-Romantiker Beier da, nicht nur im Titelsong, der auf die Kirchentonart "aeolisch" anspielt. Es grünt so grün auch in den anderen 13 Stücken, die aus der Reduzierung der Tonkaskaden Funken schlägt. In seiner "Nussschale" ist da ein Musiker, der sich herzlich wenig um die Grenzpfosten zwischen Jazz und Klassik, Minimal und Popstruktur schert, stromabwärts unterwegs auf dem Melodienfluss. Lässt zu, etwas wegzulassen, um damit die Konturen zu schärfen und widersteht jederzeit jeder Clayderman-Gefühligkeit. Die traumwandlerische Gratwanderung eines Harmonikers, der seinen Platz gefunden hat zwischen Debussy und Esbjörn Svensson…>>